Aus Liebe zum Bier

Ein Gastbeitrag von Lisa Schwarz

Liebesbier: In Bayreuth eröffnete mit der „Maisel’s Bier-Erlebnis-Welt“ im Frühjahr 2016 ein Bier-Eldorado, das in seiner Gesamtheit in Deutschland einzigartig ist und das die Besucher auf eine Reise durch vier Generationen Brautradition und Leidenschaft zum Bier mitnimmt.

Über den Holztischen hängen Bierflaschen, die als Beleuchtung dienen und den Raum in ein schummriges Licht tauchen. Die Backsteinwände zieren Street-Art-Kunstwerke und Kalligraphien aus der ganzen Welt. Im Kamin knistert das Feuer. Ich setze mich auf einen der Barhocker, die aus demselben Material sind wie früher die Schürzen der Braumeister, wie ich heute noch erfahren werde. „Ein Pale Ale bitte!“ Ich hätte die Auswahl zwischen 21 Fassbieren und mehr als 100 Flaschenbieren gehabt. „Lass es dir schmecken.“ Der Kellner stellt mein Bier auf die breite Holztheke vor mich. Ich schaue zu den Sudkesseln, die nur durch eine Glaswand getrennt sind. Ich könnte mitten im hippsten Viertel von New York sein. Aber ich sitze im oberfränkischen Bayreuth.

Als Helmut und ich vor dem Liebesbier ankommen, liegt bereits ein malziger Duft in der Luft. „Ihr habt Glück, in der Schroterei wird gerade frisch Malz geschrotet“, erzählt uns Eva, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und uns durch das Liebesbier führt. Sie zeigt uns interessante Details, die man als Gast gar nicht wahrnimmt. In der Malzschroterei beginnt unsere kleine Tour. Über Rohre, die offen verlegt sind, gelangt das geschrotete Malz indie sogenannte Maischpfanne. Hier kommt das Wasser zum Malz hinzu. Hinter Glas ist das Sudwerk der Maisel & Friends Brauwerkstatt. in das Raumkonzept der Gastronomie mit eingebettet. Man kann den Braumeistern direkt bei der Arbeit zusehen, die mit einem Tablet den laufenden Sud jederzeit überprüfen können.

Diese Kombination aus Tradition und Moderne soll sich durch den gesamten Rundgang ziehen. Im Gärkeller kommt zuletzt die Hefe dazu, wodurch das Bier erst zum Bier wird.

Gebraut wird mit Hopfenpellets, deren Qualität man sehr gut kontrollieren kann und deshalb einen hohen Standard über das ganze Jahr versprechen. Frischer Hopfen wird nämlich nur im Herbst geerntet und wer kann sich einen Sommerabend ohne kühles frisches Bier vorstellen? Apropos kühles Bier. Auf unserem Weg zum Gärkeller kommen wir an Holzfässern vorbei, die sich wie auf eine Perlenschnur gereiht hinter Glas befinden.

Das Bier – meistens mit hohem Alkoholgehalt – reift hier in Eichenfässern bei einer enorm hohen Luftfeuchtigkeit. „Manchmal kommt es aber zu besonderen Geschmackskombinationen. In Fässer, die zuvor mit dem Likör Grand Marnier belegt waren, wurde Marc´s Chocolate Bock gelagert. Nach 10 Monaten hatte das Bier die feine Orangennote angenommen.“

Während die Gäste also im Vordergrund die Gläser heben und das leckere Bier genießen, reift dahinter schon eine neue Bierkreation.

Im Liebesbier wird HANDWERK groß geschrieben

In großen türkisen Lettern steht Bäckerei über dem traditionell anmutenden Backofen. An der Wand lehnt eine Brotschaufel. Wir sind immer noch im Liebesbier. Nicht nur Bier wird hier gebraut, sondern auch einem weiteren Handwerk nachgegangen inmitten des Hipster-Looks industrieller Lampen, ausgefallener Kunstwerke und moderner Möbel. „Wir backen die Buns für unsere Burger sowie Brot und Baguettes für die Salate alle selbst in unserer Bäckerei“, erklärt uns Eva.

„Wollt ihr einen kurzen Blick in die Küche werfen?“ Und wie wir wollen.
Es duftet bereits verführerisch und ich denke nur zu gerne an meinen saftigen Pulled-Pork Burger vom letzten Besuch. Kurz vor dem Eingang der Küche ist ein kleiner Reifeschrank mit abgehangenem Fleisch platziert. Wieder kann der Gast so genau sehen, was er bekommt und sich sein spezielles Fleisch aussuchen. Bei schönem Wetter kann man sogar eine eigene Grillstelle im Außenbereich mieten und selbst die Grillzange schwingen.

Regional & saisonal: Kleine Manufakturen sorgen für den natürlichen Geschmack

Bevor ich allzu hungrig werde, geht unser Rundgang weiter. Unter einem gemütlichen Ecktisch kann man durch eine Bodenverglasung direkt auf den Brauwasserbrunnen schauen. Wieder ein Detail, das mir zuvor nie aufgefallen ist. Und wieder ein Detail, das Tradition modern aufgreift und interpretiert. „Früher waren zur Bierherstellung die Elemente Feuer und Wasser wichtig.“ Das Wasser am Boden und der Kamin mit seinem knisternden Feuer im Gastraum sorgen nicht nur für eine tolle Raumatmosphäre, sondern symbolisieren wieder die Tradition auf moderne Art.

Heute wird das Wasser aus dem nahegelegenen Fichtelgebirge zur eigenen Limonadenherstellung benutzt. Produkte großer Konzerne sucht man im Liebesbier vergebens. Man arbeitet mit Craft Brauern und Familienbrauereien zusammen. Die Säfte kommen aus Obstkeltereien aus der Region, die Kühe aus dem Frankenwald, der Ziegenkäse aus dem nahegelegenen Würnsreuth. Die Zutaten der Gerichte sind regional und saisonal, weshalb die Speisekarte oft angepasst wird. Selbst bei der Cola wurde eine Alternative gesucht. „Viele Gäste haben danach gefragt. Da wir jedoch nicht mit Konzernen zusammenarbeiten, haben wir uns nach einer Verkostung für eine kleine Manufaktur entschieden“, erzählt Eva. Die Philosophie im Liebesbier zieht sich konsequent durch alle Bereiche.

Als Letztes machen wir im eigenen Biershop Halt.

Neben ausgefallenen Flaschen fallen vor allem die großen 0,75l Signature Biere auf – mit den Edelbieren fing alles an. Für Bierfreunde, die das besondere Geschmackserlebnis suchen und die Bier nicht nur trinken, sondern genießen möchten sind die Biere gemacht. Die Signature-Edelbiere haben mehr Charakter als ein herkömmliches Bier und tragen die Handschrift des jeweiligen Namensgebers. So schmeckt Stefans´ Indian Ale hopfig-fruchtig mit einem Hauch von Waldhonig und karamellisiertem Malz. Nach dem Motto „Von Freunden gebraut – für Freunde gebraut“ sollen die Biere mit Freunden genossen werden.

Die Freundschaft setzt sich auch in den Kooperationen fort. Zur Eröffnung des Liebesbiers und der Maisel & Friends Brauwerkstatt 2016 haben befreundete Brauer als Geburtstagsgeschenk einen Sack Hopfen mitgebracht. Daraus entstand ein limitierter Sud, der Hopfenreiter . Etwa alle zwei Monate wird kreativ experimentiert und ein limitierter Sud hergestellt, wie aktuell das Summer Pale Ale. Kreative Braukunst, außergewöhnliche Biere, Herzblut und Leidenschaft – dafür steht Maisel & Friends. Seit 2012 sind sie einer der Vorreiter im Segment der Edel- und Craftbiere in Deutschland. Das Thema Craftbier soll seinen Platz in der deutschen Gastronomie finden und zeigen wie abwechslungsreiche verschiedene Bierstile sind – Bier soll begeistern.

Mit wem könnte ich besser über die Begeisterung für Craftbeer sprechen als mit dem Biersommelier Michael König? Zugegeben bin ich nicht die Bierexpertin schlechthin. Ich kann entscheiden, ob mir ein Bier schmeckt oder nicht, aber genau deswegen finde ich es interessant mit Michael zu sprechen und die Fragen zu stellen, die sich vielleicht viele von euch auch stellen würden – und ein paar Fachsimpeleien waren dann doch dabei.

Das IPA bei den Craftbieren ist das Kellerbier von Oberfranken

– Interview mit Michael König, Biersommelier Liebesbier Bayreuth –

Michael König, Biersommelier Liebesbier Bayreuth: Vor seiner Zeit als Biersommelier wusste er noch nicht, was ein Pale Ale oder ein IPA ist. „Ich wollte was mit fränkischem Bier machen, das finde ich cool. In meinem Blog habe ich verschiedene Biere bewertet. Bewertungsportale gab es schon, doch irgendwann weißt du, was charakteristisch bei einem Pils auf dich zukommt. Biere zu bewerten wird erst dann spannend, wenn etwas Neues dazukommt. Da bieten sich Craft Biere natürlich mit ihren vielen verschiedenen Aromen an.“ Seine Erfahrung als Produktmanager und -einkäufer bei einem Online-Bierhandel bringt er auch in seinem heutigen Job als Biersommelier ein. Wie der Alltag in so einem Job aussieht, habe ich in einem spannenden Interview für euch in Erfahrung gebracht.

Bei meiner ersten Frage: Woher kommt dein Bezug zum Bier? lacht Michael König und zögert nicht lange: „Ich bin Oberfranke.“ Da kommt meine nächste Frage wie gerufen:

Was zeichnet oberfränkisches Bier aus?
„Gefühl – Lebensart – Verbundenheit zur Region – Vielfalt & Tradition: Das IPA bei den Craftbieren ist das Kellerbier von Oberfranken.“

Vor der Eröffnung des Liebesbiers mussten viele Biere ausgewählt werden. Wie bist du da vorgegangen?
Das ist ein bisschen wie Weihnachten gewesen. Es gab schon eine Liste von Jeff Maisel und ich durfte noch zusätzliche Biere auswählen. Mir war es wichtig, dass wir ein großes Spektrum verschiedener Bierstile anbieten, um den Bierreichtum zu zeigen. Deswegen mussten unbedingt noch belgische Biere und verschiedene Pale Ales mit auf die Karte.

Und wie sieht dein Alltag als Biersommelier jetzt so aus?
Jeden Tag anders: Ich kümmere mich um die Bierkarte oder sitze in der Jury von Craft Beer Awards, ich habe ein Foodpairing Event in Innsbruck begleitet, bin manchmal mit dem Export unterwegs, manage Kooperationen, gebe Personalschulungen, kläre Vertriebsfragen, kümmere mich um Sonderbiere und gebe Seminare und Biertastings.

Nach welchen Kategorien bewertest du Bier?
Ganz persönlich? Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht.

Wie kommt ein Bier in die Liebesbier-Karte?
Die Fassbiere müssen mich begeistern. Es muss etwas anderes sein, als die Biere, die wir bereits am Hahn haben. Die Flaschenbiere müssen natürlich schmecken, aber auch verfügbar sein. Ich möchte unseren Gästen neue Variationen bieten und begeistern.

Welches Bier passt zu welchem Gericht?
Ich habe dieselbe Grundvorgehensweise wie in der Küche. Es gibt Pairing = (1) Gleiches zu Gleichem, (2) Gegensätze ziehen sich an (3) oder Bier, das unterstützend wirken soll. Ich bekomme vom Koch die Karte und schaue mir an, ob die Gerichte fleischlastig sind und welche Gewürze verwendet werden. Danach entscheide ich, welches Bier am besten passt.

Ab wann bist du beim Bierprozess beteiligt?
Ich bin schon bei der Idee beteiligt. Wir machen einen Kalender, in dem wir uns überlegen, welches Bier, wir wann kreieren könnten. Zuletzt gab es das Black IPA oder den Hopfenreiter, den wir zum zweiten Mal neu gebraut haben. Am Anfang steht die Frage: Wohin soll es gehen? Wir verkosten Referenzbiere, bewerten sie und überlegen: Passt das Bier zu uns? Daneben schauen wir natürlich auch auf Trends. Im Moment ist das New England IPA ein solcher. Es ist milchig und erinnert an naturtrübe Maracujasaftschorle.

strong>Was würdest du sagen: Beruf oder Berufung?
Berufung, obwohl das, was ich jetzt mache, nie mein Ziel als Blogger gewesen ist. Ich fand es einfach cool Biere zu testen und zu bewerten und die Ausbildung als Biersommelier habe ich gemacht, weil ich Seminare geben wollte.

Mit dem India Pale Ale habe ich meinen Burger mit Bier und mit dem Choco Porter das doppelte Schoko-Choco-Glück gebacken. Da interessiert es mich natürlich.

Hast du schon mal mit Bier gekocht?
Ich habe schon klassisch Schweinshaxen und Schweinsbraten mit Biersoße gekocht, aber ansonsten bin ich eher der Grillfan. Die Kreation mit dem Bier muss mir aber auch schmecken, empfehlen kann ich eine Spare-Ribs-Marinade mit Marc´s Chocolate Bock.

Welches Bier darf beim Grillen nicht fehlen?
Wenn ich Spare Ribs grille, sitze ich sechs Stunden lang daneben. Ich muss auf die Temperatur achten und die Soße fertigmachen, das Bier muss also leicht sein, wie ein Helles. Und es soll vor allem der Geselligkeit dienen, wenn ich gemeinsam mit Freunden grille. Wenn ich dann fertig bin, genieße ich gerne ein begleitendes Bier, wie ein Jeff’s Bavarian Ale, einem modern interpretierten Weizen mit leicht süßlichem Geschmack.

Wie viele Biersorten hast du schon getestet?
Auf der App Untappd sind es mittlerweile 1.800. Dazu kommen noch die internationalen Bierwettbewerbe und ich habe die App nicht von Anfang an benutzt, also sind es bestimmt mehr als 3.000.

Was war die verrückteste Bierkreation?
Weird Beer aus England finde ich gut. Das ist ein Bier mit Sauerteig, das anstatt mit Hopfen mit Veilchen gestopft wird und im Fass lagert.

Was ist für dich das Besondere, dein Wissen weiterzugeben?
Ich möchte die Leute begeistern und zeige, was es für tolle Biere gibt. Nach einem Bierseminar kommen die Teilnehmer oft auf mich zu und sagen, dass sie gar nicht wussten, dass es so eine Biervielfalt gibt und dass sie überrascht sind, wie Bier in Kombination wirken kann. Wenn ich den Gästen ein Bier zum Probieren gebe, schaue ich auf die Augen, blitzen sie kurz auf, denke ich mir: Mega, da habe ich richtig Bock weiterzumachen und mit der tollen Vielfalt zu begeistern.


Liebesbier: In Bayreuth eröffnete mit der „Maisel’s Bier-Erlebnis-Welt“ im Frühjahr 2016 ein Bier-Eldorado, das in seiner Gesamtheit in Deutschland einzigartig ist und das die Besucher auf eine Reise durch vier Generationen Brautradition und Leidenschaft zum Bier mitnimmt. Tradition verbindet sich hier mit der Moderne: Das historische Gebäude der alten Brauerei Gebr. Maisel aus dem Jahr 1887 beherbergt nun nicht mehr nur das Maisel’s Brauereimuseum, das als „umfangreichstes Biermuseum der Welt“ im Guinness-Buch der Rekorde steht, sondern die „Maisel & Friends Brauwerkstatt“. Die Kreativbrauerei ist mit einem 25 hl Sudwerk ausgestattet und direkt an das Maisel’s Brauhaus angeschlossen, wo unter anderem die bekannte Maisel’s Weisse gebraut wird. Weitere Informationen findet ihr auf: www.biererlebniswelt.de und www.liebesbier.de


Vielen Dank an: Text: Lisa | Bilder: Hej Helmut

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